Wer anderen Leuten Dinge erklärt, dem sollte es ein Anliegen sein, verstanden zu werden. Gedankliche und sprachliche Klarheit des Lehrenden helfen dem Schüler. Ein Lehrtext, gespickt mit Fachbegriffen und Abschweifungen, verfehlt sein Ziel.

Aaron Nimzowitsch.

Klarheit war nicht das Anliegen von Aaron Nimzowitsch. Schrieb der Meister über Schach, ergoss sich eine Flut von neu geprägten Fachbegriffen über den Leser. Außerdem musste stets die Exzentrik des Autors durchschimmern, damit ihn ja niemand mit Siegbert Tarrasch verwechselt, Gott bewahre. Hier ein Schnörkel, dort eine Pirouette; die Ideen für gedankliche Exkursionen flogen Nimzowitsch nur so zu. Anstatt auf den Punkt zu kommen, verfolgte er sie mit Freude.

Nimzowitsch über die Bedeutung der siebten Reihe beim Schach klingt so:

„Wir haben gesehen, wie groß die Bedeutung des einmal erkämpften Zutritts zur 7. und 8. Reihe werden kann. Wenn dem so sei, so liegt die Annahme nahe, daß die Natur selbst, sozusagen, etwas zum Schutze dieser empfindlichen Stelle getan haben mag, ähnlich wie genannte gütige und weise Allmutter Natur dem Menschenherz einen glänzend „gedeckten“ Platz hinter Rippen und tief im Brustkasten angewiesen hat (So gut versteckt ist dieser Platz, so tief verborgen das Versteck des Herzens, daß man bei manchen Leuten auf den Gedanken kommen könnte, sie seien…herzlos zur Welt gekommen. Um die gefühlvolleren unter meinen freundlichen Lesern gleich zu beruhigen, will ich übrigens gleichzeitig mitteilen, daß Herzlosigkeit ein minderes Herzleiden darstelle, worunter die Betreffenden fast gar nicht litten).“

Allmutter Natur? Herzleiden?

What the fuck, Aaron?

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